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Nordsee-Radmarathon 2016 I Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sammy   
Dienstag, den 10. Mai 2016 um 18:49 Uhr

Sturm is erst, wenn die Schafe keine Locken mehr haben!

Also, ich habe am Sonntag jede Menge Schafe ohne Fell gesehen. Das muss der Wind gewesen sein oder doch nur nordfriesische Woll-Vampire? Irgendwie fing der Sonntag genauso verkorkst an, wie das komplette Jahr 2016. Im Januar bin ich im Garten auf einem eisglatten Weg so heftig auf die Hüfte geknallt, dass die Trainingskilometer im Januar auf Null schrumpften. Februar und März fielen dann aus vielerlei guten und faulen Gründen auch eher schwach aus. Im Endeffekt fehlen dann eben gute 500 Trainingskilometer am Saisonbeginn.

Wie dem auch sei, in der Himmelfahrtwoche wähnte ich mich endlich auf dem richtigen Gleis. Sonntags 105km Alleinfahrt ohne größere Quälerei, die Wetteraussichten für das lange Wochenende perfekt. Für Himmelfahrt die RTF in Winsen im Visier. Donnerstagmorgen dann Erkältungssymptome. Solche Geschichten habe schon häufiger ignoriert. Und anschließend übelst bezahlt, also Füße still halten und hoffen, dass es am Samstag wieder aufs Rad geht. Das hat geklappt. Am Sonnabend 80km einrollen und Sonntag bei Kaiserwetter zum Marathon nach Husum, yes.

 

Am Sonntag dann doch eine Viertelstunde zu spät losgekommen, die Baustellen auf der A7 unterschätzt und ja, natürlich erst in Husum angekommen, als die Meute schon losfuhr. Trotz rekordverdächtig schneller Anmeldung ging es erst um 7:45 alleine auf die Runde.

Egal, Eiderstedt ich komme! War ja auch kein Wunder, mit dem Wind im Rücken ging es zügig am Roten Haubarg vorbei und schon kommt der erste Fahrer in Sicht, allerdings wirklich ein Solofahrer, also zügig weiter, irgendwann muss die letzte Gruppe doch in Sicht kommen. Was für eine Selbstüberschätzung. Der nette Teil des Morgens ging mit einem super tollen Blick auf den Speicher zwischen Wasserkoog und Everschopsiel zu Ende, ab jetzt Wind von vorn. Die Hoffnung auf Gesellschaft und Windschatten schwindet. In Uelvesbüll dann die erste Kontrolle und eine angenehme Überraschung, die letzte Gruppe ist noch da. Sie fährt zwar vor mir los, aber ich bin mir sicher die kleine Lücke schnell zu schließen. Also erst mal in Ruhe verpflegen und dann hinterher. An der Kontrolle erfahre ich dann, dass noch eine 30er Gruppe hinter mir sein soll. Also alles im grünen Bereich, man(n) will schließlich nicht Letzter sein.

Genug Smalltalk, (dass Moin, Moin in Nordfriesland schon als Gesabbel gilt, ist nur ein Gerücht ;-) rauf aufs Rad, die Gruppe wartet nicht und bevor die Route sich gen Norden windet, gibt es noch reichlich Gegenwind.

Zum zweiten Mal am Roten Haubarg vorbei, in der Hoffnung diesen Abends nochmal wieder zu sehen, dann allerdings in Ruhe zum Essen. Dass ich diese Lokalität seit mehr als 10 Jahren regelmäßig aufsuche, ist übrigens dem RSV Husum zu verdanken. Bei meiner ersten Teilnahme an der Tine-Tour 2001, war eine Verpflegungskontrolle direkt vor eben diesem Haubarg aufgebaut. Ich denke, damals gab es noch kein Restaurant im Gemäuer, aber ich mag mich täuschen.

Kurze Zeit später rolle ich bequem im Windschatten der Gruppe, gut so. Körner sparen ist jetzt wichtig, die werde ich später noch bitter brauchen. Ich antizipiere kurz was mich im Sönke-Nissen-Koog erwartet, aber bis dahin liegen noch gute 100km vor mir. Es ist mal wieder eine dieser Situationen, eigentlich ist einem die die Gruppe viel zu langsam unterwegs, aber vorne raus fahren wäre Wahnsinn. Entweder kommt man sowieso nicht weg oder man verballert alle Körner und muss am Ende auf dem Zahnfleisch ins Ziel kriechen. Also besser geduldig mit rollen. An der Passage auf dem Radweg entlang der B5 und der B202 frage ich mich, wie die Strecke früher verlief. Wir haben damals die B5 kurz gequert, aber keinen Radweg nutzen müssen. Egal, die Husumer werden einen Grund gehabt haben.

Als Strecke endlich gen Nord führt ist es Zeit für eine kurze Pinkelpause, die Gruppe hole ich ja locker wieder ein. Tja, oder auch nicht. Als wenn die Rendsburger Anführer beschlossen hätten, jetzt eine Schippe draufzulegen, die Gruppe kam erst wieder in Sicht, als auch Drelsdorf in Sicht, war. Grr.

Da meine erste Pause in Drelsdorf etwas länger gedauerte hatte, war die Gruppe schon ohne mich los. Ergo wieder alleine los. Unterwegs hatte ich dann das Glück noch einen Husumer einzusammeln und eine Fahrern die sich verfahren hatte. Immerhin zu dritt auf den Drelsdorf-Kringel. Leider ist Elke, die eingesammelte Fahrerin, die eigentlich Marathon-Läuferin ist, aber auch eine sehr fitte Radfahrerin ist, eher zierlich und bot mir daher wenig Windschatten. Dafür aber eine nette Unterhaltung. Dies hilft ja auch um Durchzuhalten. Kurz vor Drelsdorf waren wir dann auch an meiner Gruppe von vorher wieder dran.

Nun hatte aber die Gruppe um die Rendsburger beschlossen, eine längere Rast in Drelsdorf einzulegen. Ich wollte schon alleine weiter, aber Elke wollte auch nicht so lange warten, so dass wir zu zweit in Richtung Nordstrand loszogen.

Aufgrund der Windverhältnisse war dann der Abschnitt bis Ockholm dann auch fast der letzte mit Schiebewind. Das „Bredstedter Hochgebirge“ war schnell erklommen und der Süderweg mit einer "4" vorne auf dem Tacho auch sehr schnell erledigt. Nun folgte, wie so oft in Husum, das dicke Ende: Sönke-Nissen-Koog und Cäcilienkoog. 13km stramm gegen den Wind. Wehmütige Erinnerungen an die Zeiten, wo ich mich in der grünen Windstaffel vom ABC Wesseln einreihen durfte, werden wach. Da der Straßenbelag im Laufe der Jahre recht schlecht geworden ist, empfiehlt es sich, bis zum Lüttmoordamm den Radweg zu benutzen. Dieser weist eine fast perfekt Asphaltdecke auf.

Kurz bevor die Strecke nach rechts in den Lüttmoordamm abbiegt, wurden wir von einem kleinen Teil der Gruppe um die Rendsburger erreicht. Gemeinsam bogen wir noch ab. Auf dem Lüttmoordamm gab es dann bis zur See Schiebewind.

Nach einer kurzen Abwägung ließ ich die Gruppe ziehen, da mein Körnervorrat mittlerweile doch ziemlich gegen Null tendierte. Jetzt war ich, wie am Anfang wieder allein unterwegs und das sollte auch bis Husum so bleiben. Der heimliche Wunsch war, dass meine Frau am Holmer Siel wartet und mir mit dem Auto bis Süderhafen Windschatten gibt. Aber, wie es immer so ist, die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber sie stirbt, keine Frau, kein Auto, kein Windschatten (sic!).

Am Holmer Siel noch ein paar Worte mit den Husumern gewechselt und wieder aufs Rad. Jetzt nach 174km und müden Beinen beginnt der Marathon erst wirklich. Ein Vereinskamerad pflegt immer zu sagen, ein Radrennen beginnt erst, wenn du nicht mehr kannst. Das lässt sich ohne Probleme auf einen Radmarathon übertragen. Jetzt heißt es beißen und durchhalten. Eigentlich nur noch den Süden von Nordstrand abfahren, in Süderhafen kurz etwas trinken und dann über den Damm nach Schobüll. Die letzten Kilometer nach Husum sind doch nicht mehr der Rede wert.

Aber wenn die Beine leer sind und man alleine im Wind steht, können die letzten Kilometer schon echt weh tun. Von der Kontrolle am Süderhafen bis zum Damm geht es noch ein letztes Mal Richtung Norden, ergo zur Erholung ein paar Kilometer Rückenwind , herrlich.

Jetzt nur noch knapp 14km bis ins Ziel. Mir geht es immer so, wenn ich den Damm erst mal erreicht habe, fühle ich mich fast schon in Husum. Also den letzten Rest auch noch runter kurbeln und endlich duschen. So ging denn auch meine mittlerweile 8.Teilnahme in Husum gut zu Ende, auch wenn es mal wieder fast ein Soloritt war. Vieleicht bin ich im Herzen doch ein Randoneur, habe es nur noch nicht komplett akzeptiert. Wie es 2003 bei meiner ersten Marathon-Teilnahme war, weiß ich nicht mehr, aber da war ich auch noch 13 Jahre jünger. Zwinkernd

Vielen Dank an alle Helfer in Husum, es hat mir trotz aller Anstrengung wieder Spaß gemacht euren Parcours zu absolvieren.

Euer Webmaster

PS: Die dritte Passage des Roten Haubarg war mit der Einkehr und dem Auffüllen der verbrauchten Körner verbunden.

PPS: Mein Vereinskollege Helge hat den Marathon laut Nordcupseite auch erfolgreich absolviert. Leider haben wir uns verpasst, weil ich zu spät war. Wie es ihm ergangen ist, lest ihr hier.

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 13. Mai 2016 um 17:03 Uhr