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Nordsee-Radmarathon 2014 ab Husum Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sammy   
Dienstag, den 06. Mai 2014 um 19:06 Uhr

cw-Wert wie eine Schrankwand!

Da der RSV Husum am vergangenen Sonntag die 25.Austragung seiner Tinefahrt begehen konnte, war es eigentlich Ehrensache, in Husum an den Start zu gehen. Für mich persönlich war es die 7 Teilnahme am Nordsee-Marathon. Das erste Mal habe ich den Husumer Marathon 2003 absolviert. Meine Güte, wie die Zeit vergeht.*

Nach den fast sommerlichen Bedingungen beim Endspurt-Marathon orakelte der Wetterbericht: Bedeckt, 6-11°C, Regenrisiko 30-40%, aber dafür nur Windstärke 4 aus NW. Für Husum also eher leichte Bedingungen, insbesondere wenn man den Streckenverlauf betrachtet, küstenfern gegen den Wind, an der Küste mit Schiebewind zurück ins Ziel. Soweit die grobe Planung vorher.

Sonntagmorgen 5 Uhr in Hamburg, leichter Nieselregen auf meinem Dachflächenfenster, hmm ... Egal, an der Küste ist es bestimmt trocken, also schnell frühstücken und ab nach Husum. Auf der Autobahn bei Neumünster: es fängt wieder an zu nieseln. Hmpf … Egal, auf der anderen Kanalseite wird es trocken sein. Ist es auch :-)

Aber nur bis 20km vor Husum, es fängt wieder an, leicht zu nieseln. Je näher ich Husum komme, desto intensiver wird der Nieselregen. Kurz flackert der Gedanke auf: dreh um, kauf Brötchen und fahr zurück zum Frühstücken.

Aber das ist natürlich totaler Quatsch, 300km zum Brötchenholen? Das erscheint mir doch rekordverdächtig und nachdem die ersten bekannten Gesichter auf dem Parkplatz erscheinen ist klar, ich werde heute fahren.


Etwas unschön war, das die Husumer den Parkplatz hinter der Schwimmhalle nicht belegen durften und uns auf einen Supermarktparkplatz lotsten, der direkt am Ortseingang liegt. Kein Riesenproblem, aber lästig, da ich dann zum Duschen umparken muss. Mein Rad unbeaufsichtigt vor der Sporthalle stehen zu lassen während ich dusche, ist definitiv keine Alternative. Da man beim Marathon in der Regel erst ins Ziel kommt, wenn die Masse schon durch ist, findet man dann auch problemlos einen komfortablen Parkplatz, so auch in Husum :-)

Doch nun zur Tour. Der Start erfolgte — wie in Husum seit Jahren erprobte Praxis — unter Polizeischutz, soll heißen, die ersten Kreuzungen wurden durch das polizeiliche Führungsfahrzeug gesichert. Ich weiß nicht, warum ich in diesen Situationen immer sehr weit vorne stehe (Erfahrungen aus den Deutschlandtouren 2004 & 2005?), jedenfalls bin ich mal wieder direkt hinterm Führungsfahrzeug gestartet. Als Husum dann hinter uns lag, erhöhten die Ambitionierten das Tempo. Da der erste Abschnitt südlich in Richtung Friedrichstadt verläuft, half natürlich auch der Rückenwind. Allerdings wollte ich etwas ruhiger fahren, ließ die schnellen Jungs ziehen und wartete auf die zweite Gruppe. Aber das dauerte leider doch recht lange. Zwischenzeitlich hatte sich auch ein recht ordentlicher Nieselregen bei 5,5°C breit gemacht. In Kombination mit dem lädierten Straßenbelag in und um Schwabstedt, kam Klassikerfeeling à la Flandern auf. Also weiterfahren und warm bleiben. So ca. 10km vor der ersten Verpflegung in Ostenfeld kam dann doch die zweite Gruppe, mit der ich dann auch bis zur Verpflegung rollte.

Nach der Kontrolle habe ich dann etwas zu spät reagiert, bzw. war noch am Kauen, als sich etwas weiter vorne eine 8 Manngruppe bildete. Als ich das Gekaute endlich runter hatte, war mir die Lücke eigentlich zu groß geworden, um noch hinterher zu fahren.

Genau in diesem Moment tauchte Hans aus Glücksburg auf, der die Gruppe noch erreichen wollte, machte den Rücken und schickte sich an, die Lücke zu schließen.

Mittlerweile waren wir aber gegen den Wind unterwegs und die Gruppe vorne machte auch keine Anstalten, langsamer zu fahren. Da ich den angebotenen Windschatten nicht ausschlagen konnte ging die Hatz also los, und ich kann zu Hans nur sagen: RESPEKT!

Dreiviertel der Lücke konnte Hans schließen, dann ging so langsam der Saft aus. Es half also alles nix, jetzt musste ich doch noch ran. Und siehe da, ich konnte die Lücke zufahren, puh. Als Dank bekam ich anschließend von Hans folgenden Spruch zu hören: „Du hast einen cw-Wert wie eine Schrankwand von IKEA.“ Ich werte das mal als Kompliment. Wer also mal entspannt im Windschatten einer Schrankwand durch die Lande radeln möchte, ist herzlich eingeladen ;-)

Leider lief die Gruppe aus meiner Sicht nicht so richtig rund und war mir auch einen Tick zu schnell, sodass ich mit der Gruppe nur bis zur zweiten Kontrolle in Drelsdorf gerollt bin. Damit war auch der zweite lange Gegenwindabschnitt abgehakt und fast die Hälfte der Strecke erledigt. Jetzt noch eine Schleife gen Norden und noch einmal nach Drelsdorf. Da ich nicht zu langen Pausen neige, bin ich vor der Gruppe auf die Schleife gegangen. Irgendwann zog die Gruppe dann auch an mir vorbei, kurze später merkte Uwe von den Nortorfern, dass ich mich nicht erwartungsgemäß eingereiht hatte und ließ sich zurückfallen. Er bot mir an, mich wieder an die Gruppe ranzufahren und wollte mich überreden, weiter mit der Gruppe zu fahren. Aber ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zumindest vorerst meinen Rhythmus zu fahren, :-) wohl wissend, dass eine Hälfte der Schleife viel Gegenwind zu bieten hatte. Also Uwe, falls du diese Zeilen lesen solltest, an dieser Stelle meinen ausdrücklichen Dank für Deine wirklich netten Bemühungen, aber es war irgendwie nicht mein bester Tag. Vielleicht beim nächsten Mal. Alternativ kann ich nur anbieten, dir bei unserer RGH-Tour in Todendorf eine Cola zu spendieren.

Nach der Schleife um den Kontrollpunkt stand eigentlich nur noch die Rücktour nach Husum an, allerdings mit einem Umweg über Ockholm und Nordstrand. Zuerst stehen aber direkt hinter der Kontrolle ein paar lustige Hügel bei Bredstedt. Ich bin jedesmal erstaunt, welch fiese Hügelchen Nordfriesland zu bieten hat. Im Anschluss folgte dann die Gegenwindpassage bis Ockholm. Und hier steht man wirklich im platten Land, wo man sehen kann, wer Morgen zu Besuch kommt. Es hilft alles nix, beißen und durchhalten, ich kann die Wendestelle schon sehen. Die Hoffnung, dass die Gruppe, die kurz nach mir an der Kontrolle eintraf, mich noch in diesem Gegenwindabschnitt einholt, erfüllte sich leider nicht. Wie sagt Nico Semsrott so schön: „Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt!“

Ergo, die Gruppe kam, aber da war ich schon in der Rückenwindpassage im Sönke-Nissenkoog. Andererseits war auch noch der Stich Richtung Nordstrand zu bewältigen, und der hatte nochmals seitlichen Gegenwind zu bieten. Glück gehabt, die Gruppe bot mir nochmal Gelegenheit, mich etwas zu erholen. Die langen Abschnitte alleine im Wind hatten doch reichlich Körner gekostet.

Mit der Gruppe war dann auch die vorletzte Kontrolle am Holmer Siel zügig erreicht. Nebenbei angemerkt, gerade der Streckenteil über Nordstrand ist für mich jedesmal Motivation, in Husum zu starten. Da ich diese Küstenabschnitte so liebe, habe ich eine Bitte an den RSV Husum, lasst die Schleife um Drelsdorf weg und baut noch einen Abschnitt nördlich von Ockholm und direkt an der See ein.

Übrigens, Petrus hatte irgendwann zwischendurch den Nieselregen abgestellt und zeitweilig die Sonne durchscheinen lassen. Nicht wirklich warm, aber auch nicht mehr nasskalt. Einzig meine Füße waren nass und kalt, was sich auch erst unter der warmen Dusche besserte.

Jedenfalls war ich am Ende froh, mit der Gruppe, nach etwas über 7 Stunden Nettofahrzeit, ins Ziel rollen zu können.

Das seltsame ist, zum Ende der Tour denkt man ernsthaft darüber nach, dass es doch auch ganz schön ist nur 110km zu fahren. Lass die Marathons doch andere fahren. Aber einen Tag später, beim Schreiben dieses Berichts, frage ich mich doch schon wieder, wie das Wetter in Wesseln wohl wird und welche Strecke sich „Die Grünen“ dieses Jahr überlegt haben. Tja, wird man den Marathonvirus wieder los?


Bis bald
Eure Schrankwand

PS: Die Fotos dieses Berichts habe ich wieder bei Lars Badia vom Radsportteam Neumünster entliehen. Danke an Lars!

*) Ich habe tatsächlich mal nachgezählt, der nächste Marathon wird mein 50ster sein! Wesseln könnte also eine Jubiläumstour werden.


Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 06. Mai 2014 um 20:43 Uhr