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Kalle-Bäcker-Marathon 2014 ab Wesseln Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sammy   
Dienstag, den 20. Mai 2014 um 20:45 Uhr

Dithmarschen-Rundfahrt vom Feinsten

Das war er also, mein 50ster Radmarathon. War es ein gutes Omen oder einfach nur Zufall? Bei der Nachmeldung morgens am Start zog der “ABC-Helfer” für mich die Startnummer 50. Wäre ich vorangemeldet gewesen, hätte ich angenommen, irgendwer in Wesseln hat meinen Bericht über Husum gelesen und sich gedacht, den Spaß mach ich mir, aber so? Auch wenn dies nun mein 50ster war, war neu für mich, dass ich seit dem Marathon in Husum nur einmal kurz auf dem Rad gesessen hatte, ergo praktisch 14 Tage Pause. Üblicherweise sehe immer zu, dass ich zwischenzeitlich nicht einroste. Aber mein Marathonjubiläum und die Super Wetterprognose machten die Entscheidung pro Wesseln unausweichlich. Also ging nach einer anstrengenden Woche und einem ebenfalls anstrengenden Sonnabend (4 Stunden SwinGolf, platte Füße inklusive) am Sonntagmorgen mal wieder der Wecker um 5:15 Uhr. Diesmal ging es etwas leichter, da Antje sich mit Gunda verabredet hatte und in Wesseln ebenfalls an den Start gehen wollte.

In Wesseln gibt es in der Regel auch beim Marathon nur 4 statt der sonst üblichen 5 Kontrollen, ergo ist es insbesondere bei höheren Temperaturen ratsam, einen Blick auf die Distanzen zwischen den einzelnen Depots zu werfen. Oder einfach grundsätzlich an jedem Depot die Flaschen aufzufüllen:-) In jedem Fall ist der erste Abschnitt immer der längste, diesmal rund 56km bis zum Depot beim Kalle Bäcker in Marne. Kurz nach dem Start habe ich mich dann doch wieder nach vorne orientiert, erste Gruppe und dann ins vordere Drittel, weiter hinten ist einfach zu unruhig, kraftraubend und tendenziell gefährlicher. Irgendwie muss ich noch an meiner inneren Ruhe arbeiten, um gezielt mit einer langsameren Gruppe loszufahren. Oder sind es doch verborgene Rennfahrer-Gene, die mich in solchen Situationen leiten?

Jedenfalls ging es zunächst Richtung Küste und dann nach Süden, also leichter Rückenwind. So konnte ich bequem und zügig mit der ersten Gruppe bis Marne fahren. Die Schönheit der Strecke, insbesondere ab Meldorfer Hafen und direkt an der Küste bei Friedrichskoog, konnte ich nur bedingt genießen, da das Fahren in der Gruppe doch eine gewisse Aufmerksamkeit erfordert. Immerhin war ich so in den Genuss eines Schnitts von 36,5 gekommen, ohne allzu oft in einen hohen Pulsbereich gehen zu müssen. Am Depot war natürlich Hektik angesagt und so saßen die ersten schon wieder auf dem Rad, bevor ich überhaupt meinen Kontrollstempel hatte, von Essen und Trinken ganz zu schweigen. Die Verpflegung in Marne war wie immer sensationell, was der Kalle Bäcker jedes Jahr auffährt und das noch in Kombination mit dem Käse aus der Käserei Sarzbüttel, gibt es vermutlich kein zweites Mal bei einer RTF in Deutschland. Irgendwann werde ich in Wesseln fahren und die kürzest mögliche Strecke fahren, die in Marne Station macht, nur um das Angebot an Brötchen, Aufschnitt, Obst und Kuchen durchzuprobieren ;-)

Da ich lange Pausen nicht mag, je länger die Pause, desto länger brauche ich, um wieder in die Gänge zu kommen, bin ich erst alleine weiter, konnte mich aber kurz hinter Marne wieder in eine Gruppe einsortieren. So ging es flott in Richtung Osten, also Richtung Nord-Ostsee-Kanal. Kurz vor Burg geht es durch das Buchholzer Moor, dies ist der traditionelle Einstieg in das Dithmarscher Hochgebirge. Als erstes ist der Stubbenberg zu erklimmen. Leider hat die Gruppe in der Anfahrt auf den Stubbenberg soviel Druck gemacht, dass mein Puls sich bedenklich dem roten Bereich näherte, und da ich nicht mit so einem Puls in den Stubbenberg fahren wollte, ließ ich sie fahren, beruhigte meinen Puls und fuhr mein eigenes Tempo hinauf.

Wer die Strecke kennt, weiß, dass nach der kurzen Abfahrt vom Stubbenberg in Burg die nächsten Highlights für Kletterkünstler warten. Zunächst macht die Strecke am Ende der Abfahrt einen scharfen Knick nach links und man steht in der ersten Rampe direkt in Burg. Stehen ist hierbei wörtlich zu nehmen, wer nicht rechtzeitig auf das kleine Blatt schaltet, hat ein Problem. Die Rampe ist relativ kurz, hat aber als Gemeinheit noch zu bieten, dass es, wenn man rechts schon die Kuppe erblickt und glaubt man sei oben, nach links in eine kleine Gasse abgeht. Und dieses Gässchen in dann noch etwas steiler, wow. Oben geht es dann über kurze Pflasterpassagen durch den Ortskern von Burg. Viel Zeit zum Erholen bleibt nicht, nach einer kurzen Abfahrt, geht es zum Hamberg hinauf. (Wer sich diese Steigung mal ansehen möchte, auf "Heiner's Homepage" gibt es eine Fotoserie. Es startet mit der Einfahrt Grosse Bergstraße, dann einfach folgenden Klicks/Links folgen: 4 x Richtung Ortsmitte, Kleine Schulstraße, 4 x Richtung Ortsmitte)

Oben angekommen signalisierten meine Beine, ok es reicht, genug für heute, leg uns hoch. Blöderweise war mit gerade mal 85km noch nicht einmal die Hälfte der Strecke absolviert. Mittlerweile musste ich auch realisieren, dass der herausgefahrene Vorsprung mit der ersten Gruppe eher ein Nachteil war, denn es kam keiner von hinten, Mist. Also alleine weiter bis zum zweiten Stopp in Marne. Knapp 110km, also gut die Hälfte geschafft. Während des Aufenthalts am Depot trudelten dann doch ein paar bekannte Gesichter ein. Darunter auch Peter, der mich verwundert ansah und fragte wieso ich schon wieder vor ihm sei. Er war mit einer kleinen Gruppe unterwegs und mein Plan war, mitzufahren, wenn sie mich einholten.

Der Plan ging auch zunächst auf, als die Gruppe mich überholte, reihte ich mich ein. Da die Strecke jetzt nach Nord und Nordost ging, war das eigentlich auch sinnvoll. Leider waren viele in der Gruppe nicht in der Lage, eine vernünftige Windstaffel zu fahren, sodass entsprechend unruhig gefahren wurde, außerdem war ich schon wieder im roten Bereich unterwegs, sodass ich die Gruppe ziehen ließ, als der Meldorfer Dom in Sichtweite kam. Peter hat mir später bestätigt, dass das Ausscheidungsfahren erfolgreich war und die Gruppe schließlich zersplittert ist.

Der Dom in Sichtweite war leider auch ein Trugschluss, da die Strecke einen weiten Bogen über den Meldorfer Hafen machte. Allein im Wind und keine Gruppe von hinten im Anmarsch, mal wieder.

Am dritten Depot in Meldorf traf ich dann auch auf Antje und Gunda, die sich angesichts des Sommerwetters für die 70km Runde entschieden hatten und jetzt zum zweiten Mal am Depot in Meldorf waren. Die beiden machten sich auf zum Ziel und ich nach Albersdorf. Leichtsinnigerweise hatte ich übersehen, dass die Runde um Albersdorf mehr als 50km lang war und hatte meine Getränkeflaschen nicht aufgefüllt. In Kombination mit den frühsommerlichen Temperaturen eine Dummheit. Da sich in Meldorf keine passende Gruppe fand, ging es solo in Richtung Albersdorf. Immer noch die Hoffnung im Gepäck, es kann nicht lange dauern, bis du dich irgendwo einreihen kannst, aber nix. Albersdorf kam näher und das Gelände wurde welliger. Und die Grünen aus Wesseln hatten wieder ganze Arbeit geleistet und alle Hügel rund um Albersdorf zu einer Runde zusammengestellt. Apropos ganze Arbeit, ich denke, wir haben auch alle Bauern-Autobahnen im südöstlichen Dithmarschen abgefahren. Bei den aktuellen Wetterverhältnissen null Problem, aber gut, dass es nicht geregnet hat.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, absolut leeren Beinen und fast leeren Trinkflaschen kommt der Meldorfer Dom wieder in Sicht, noch 5 Kilometer bis zum Depot. Leider war meine Einschätzung falsch, das Straßenschild zeigte die Entfernung mit 12km an. Mist, aber andererseits ist der Abschnitt vom letzten Depot in Meldorf nach Wesseln kürzer, aber leere Trinkflaschen und Durst sind auch keine schöne Kombi. Jetzt, wo ich definitiv platt war, kamen natürlich auch die Gruppen von hinten, aber da die letzten 7km zum Depot mit Rückenwind gesegnet waren, ging es auch alleine. Dank meines Navis wusste ich aber auch, dass diese 7km direkt nach der Kontrolle nochmal absolviert werden mussten, dann allerdings gegen den Wind.

Frustrierender weise kamen mir jetzt natürlich alle entgegen, die Meldorf schon das zweite Mal passiert hatten und nun zum Ziel in Wesseln unterwegs waren. Das Depot in Meldorf sah schon reichlich geplündert aus, aber ich konnte meine Flasche auffüllen und etwas essen. Marathoni, was willste mehr?

Jetzt waren nur noch 23km zu absolvieren, eigentlich eine Kleinigkeit aber mit 183km in den Beinen, dem Wind von vorn und allein? Das Stück zurück bis zum Abzweig Richtung Wesseln, waren dann wirklich 7km harte Arbeit. Nach dem Abzweig ein kurzer Abschnitt mit Rückenwind (3km), aber der Rest ziemlich genau gen Norden. Zeitweilig konnte ich mich in eine Gruppe einreihen, aber dann waren die Beine so leer, dass auch das nicht mehr ging.

Irgendwie bin ich dann auf der letzten Rille in Wesseln eingetroffen und das Ziel war nach einer Netto-Fahrzeit von 7:13h erreicht. Beim abschließenden Wurstessen nach dem Duschen erzählte Lars aus Neumünster, er hätte heute das Gefühl gehabt, bei ihm hätte jemand den Stecker gezogen. Das beschreibt auch ziemlich genau mein Gefühl dieser Tour. Das nächste Ziel heißt Nortorf, wollen doch mal sehen, ob der Stecker dann drin bleibt ;-)

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Die Strecke

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 20. Mai 2014 um 21:49 Uhr